Konfliktpotential in Patchworkfamilien
Patchwork, zu deutsch “Flickwerk”,kommt ursprünglich aus der Textilgestaltung und bezeichnet eine Technik, in der Teile auf – oder nebeneinander gelegt werden, zur Erreichung einer größeren Einheit. Das Bild stimmt, nur das in den gegenständlichen Patchworkfamilien keine Teile, sondern Lebewesen quasi aneinandergelegt werden und miteinander eine neue Einheit bilden sollen. Was sich schon mit den Stoffteilen nicht immer als ganz einfach erweist, sollten sie doch auch in Form und Farbe annähernd zusammenpassen, wird mit Menschen naturgemäß kaum leichter,zumal es sich bei diesen ” Teilen” meist um Mann und Frau mit Beziehungserfahrung, trotzende Kleinkinder oder pubertierende Teenager und manchmal sogar um zu involvierende Ex-PartnerInnen handelt.
Wie entstehen Patchworkfamilien
Erschwerend bei der Gründung und Aufrechterhaltung einer solchen Patchworkfamilie kommen folgende Faktoren hinzu. PartnerInnen einer solchen Beziehung haben eine gescheiterte Partnerschaft hinter sich und daher oft viel an gegenseitiger Beziehungsarbeit vor sich. Kinder solcher neu entstandener Familie sind Scheidungs – bzw.Trennungskinder und stehen einer neuen Beziehung oder dem neuen Partner des jeweiligen Elternteils nicht immer vorbehaltlos gegenüber. Im schlimmsten Fall wird er sogar, oft unbegründet, als Schuldiger an der Trennung der Eltern an den Pranger gestellt. Die Ex-Partner des Paares sollen und dürfen auch in der neuen Beziehung den Kindern zuliebe nicht völlig ausgegrenzt werden, was natürlich nicht nur in Erziehungfragen hohes Konfliktpotenzial bietet.Vor allem Männer haben, Umfragen zufolge, starke Probleme mit dem Exmann ihrer Partnerin, was sich wohl auf männliches Revierdenken zurückführen lässt. Frauen leiden eher unter Eifersucht im Bezug auf Zuwendung und Wichtigkeit. Nicht jeder der Ex-Partner wird außerdem die neue Wahl seiner ehemaligen Partnerin begrüßen. Umgekehrt wird manchmal auch ein, wenn auch unbewußter, Vergleich nicht ausbleiben.
Sollten die Konflikte einer, durch die neue Beziehung entstandenen Patchworkfamilie trotz der Bemühungen aller Beteiligten auch mit viel notwendiger Geduld nicht bereinigt werden können, bieten psychologische Beratungsstellen und auch private Psychologen Mediationssitzungen an, die sich in der Mehrzahl als erfolgreich erwiesen haben. Keinesfalls soll das jedoch bedeuten, dass die Gründung einer Patchworkfamilie auf jeden Fall zum Scheitern verurteilt ist. Viele glückliche “Patchworker” beweisen, dass eine gescheiterte Beziehung nicht das Scheitern der folgenden bedeuten muß und dass viele Trennungskinder durch eine Patchworkfamilie wieder Geborgenheit finden und keinen Elternteil verlieren müssen sondern einen Freund bzw. eine Freundin gewinnen können.





